Unterschiedliche Regierungen aus aller Welt versuchen, Verschlüsselung zurückzudrängen. Deshalb ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, warum Privatpersonen, Unternehmen, Journalisten und Organisationen ihre Daten und Kommunikation verschlüsseln. Sicherheitsexperte Bruce Schneier hat verschiedene Argumente hierzu auf seinem Blog zusammengefasst.

„Aktuell sehen wir Widerstand von Regierungen gegen Verschlüsselung. Verschiedene Länder, wie China oder Russland, bis hin zu demokratischeren Regierungen, wie den Vereinigten Staaten und Großbritannien, planen entweder oder setzen bereits eine Politik um, die starke Verschlüsselung einschränkt. Dies ist gefährlich, weil es technisch unmöglich ist und der Versuch der Sicherheit des Internets großen Schaden zufügen wird.“

Hiermit weist Schneier auf eine Trend bei Regierungen und dessen problematische Implikationen hin: Es ist klar, dass Regierungen ein fallbedingt berechtigtes Interesse daran haben, verschiedene Kommunikationswege abzuhören, um Verbrechen zu verhindern oder aufzuklären. Herstellende Unternehmen dazu aufzufordern, die Sicherheit ihrer Produkte absichtlich von vornherein zu schwächen, scheint jedoch nicht die beste Lösung zu sein. Wenn Verschlüsselung eingesetzt wird, dann sollte dies auch effektiv geschehen. Ein Softwareprodukt oder Algorithmus weiß schließlich nicht, ob gerade einer der „Guten“ oder einer der „Bösen“ die eingebaute Hintertür in einem Sicherheitsprodukt nutzt – und schon gar nicht, zu welchem Zweck! Ohne vollständige Sicherheit würden Journalisten, NGOs und Unternehmen somit das Risiko eingehen, dass ihre sensiblen Daten von Dritten ausgespäht oder sogar manipuliert werden. Dies wiederum würde das ganze Konzept von Privatsphäre und Datenschutz sinnlos machen. Wie Schneier es formuliert, ist dieser Schutz jedoch für jeden von uns wichtig.

Wie er weiterhin erklärt, ist es „einfach zu verstehen, wie Verschlüsselung Journalisten, Menschenrechts- und politische Aktivisten vor autoritären Regimen schützt. Jedoch schützt Verschlüsselung auch den Rest von uns. Sie schützt unsere Daten vor Kriminellen. Sie beschützt sie vor der Konkurrenz, vor Nachbarn und Familienmitgliedern. Sie beschützt sie vor bösartigen Angriffen und sie beschützt sie vor Unfällen.“
Schneiers Meinung nach sollte jeder Verschlüsselung nutzen – nicht nur, um sich selbst zu schützen, sondern auch für diejenigen, die es wirklich nötig haben. Er argumentiert, dass eine Verschlüsselung aller Kommunikation es jenen, die Zugriff dazu haben wollen, deutlich schwerer macht, da nicht mehr klar wäre, was nun wichtige und was irrelevante Daten wären.

Es herrscht eine deutliche Spannung dazwischen, private Informationen privat zu belassen und sich anonym hinter starker Verschlüsselung zu verstecken – unabhängig davon, ob die Gründe dahinter nun „gut“ oder „böse“ sind. Mark Forrest, CEO von Cryptshare, wies bereits in einem früheren Kommentar drauf hin, dass ein öffentlicher Diskurs zu diesem Thema notwendig ist. Dies geschah als Reaktion darauf, dass er selbst und andere Mitglieder der Branche von Vertretern der britischen Regierung mit der Anfrage kontaktiert wurden, ob sie gewillt wären, Behörden Zugriff zur Verschlüsselung zu geben. Lesen Sie mehr dazu hier.
Lesen Sie in unseren News außerdem mehr zur Debatte und warum US-Amerikanische Unternehmen einen Brief an Präsident Obama zum Thema schrieben.

 

Die Auszüge von Bruce Schneiers Artikel wurden auf seine freundliche Erlaubnis hin von uns frei aus dem Englischen übersetzt und sind im Original unter www.schneier.com/blog/archives/2015/06/why_we_encrypt.html zu finden.

Über Bruce Schneier: Bruce Schneier ist ein international renommierter Sicherheitsexperte und Autor zum Thema Sicherheit. Er ist Chief Technology Officer bei „Resilient Systems“, ein Mitglied des Harvard Berkman Center und Vorstandsmitglied der EFF.